Den Bock zum Gärtner machen, oder: Was die ‘not provided’ Problematik mit den Google Keywords eigentlich bedeutet.

25. April 2014 unter Unternehmen

Das Geschäftsmodell Google: Erst abhängig machen, dann monetarisierenEin Kommentar der etracker GmbH

Mit über 90 Prozent Marktanteil auf dem deutschen Suchmaschinenmarkt (Quelle: Statista 2014) besitzt Google eine Vormachtstellung im Bereich generischer Suchen und kostenpflichtiger Suchanzeigen. Kein Unternehmen, welches online erfolgreich sein möchte, kann sich dem Sog der weltweit größten Suchmaschine entziehen und gerät dadurch auch in eine gewisse Abhängigkeit. Dass diese nicht immer gut ist, hat vor ein paar Tagen auch Mathias Döpfner, Axel Springer SE, festgestellt und ausgesprochen. In einem offenen Brief kritisiert der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Medienhauses die Geschäftspraktiken von Google und die Abhängigkeit von dem Wohlwollen des Konzerns.

Die ‚not provided‘-Problematik wird kontinuierlich ausgeweitet

Aber nicht nur für Medienunternehmen ergibt sich eine Abhängigkeit von dem Suchmaschinenkonzern aus Mountain View. Die Geschäftspraktiken in den letzten Jahren und v.a. auch in den letzten Tagen haben gezeigt, dass Google den Vermarktungsprozess von A bis Z kontrollieren möchte. Erst im September hatte Google der Übertragung der Keywords aus generischen Suchergebnissen den Kampf angesagt. Was vorher nur für eingeloggte Google-Nutzer galt, hatte Google für alle Suchen umgesetzt: die Verschlüsselung der Suche über SSL und die Entfernung des Keywords aus dem Referrer-Link.

 

Durchschnittlicher Google Traffic, der keine Keywords mehr liefert. Quelle: www.notprovidedcount.com, 2014, Letzte Aktualisierung: 15. April 2014

Durchschnittlicher Google Traffic, der keine Keywords mehr liefert. Quelle: www.notprovidedcount.com, 2014, Letzte Aktualisierung: 15. April 2014

Die damalige Folge für alle Web-Analyse Lösungen am Markt:

  • Der Anteil von Keywords, der keine Zuordnung/not provided erfährt, nahm für das Medium SEO und die Herkunft Google stark zu. Aktuell liegt der Anteil für viele Websites bereits bei fast 85%.
  • SEO Keywords würde es zukünftig nur für die anderen Suchmaschinen wie Bing und Yahoo geben, da diese Suchmaschinen die Keywords weiterhin übermitteln.
  • SEA Keywords über Google AdWords waren von der Umstellung nicht betroffen.

Mit einem vor Kurzem veröffentlichten Blogbeitrag hat Google diese Praktik nun aber sogar noch verschärft. In dem Blogbeitrag zum Thema “Sicherheitsverbesserungen für Nutzer der Google-Suche” kündigte Google an, zukünftig auch den Referrer für Klicks auf bezahlte Google AdWords Anzeigen zu entfernen, insofern der Nutzer per SSL auf der Google-Suche surft. Die Folge: Auch bei Klicks auf Google AdWords Anzeigen erhält die Zielwebsite nun keine Hinweise mehr, über welche Keywords der Besucher auf die Website kam. Infolgedessen können diese Daten auch von keinem Web-Analyse Tool mehr erfasst und ausgewertet werden.

Der Bock wird zum Gärtner: Die problematische Bündelung von Google AdWords mit anderen Google Diensten

Eine Optimierung der eigenen Websites hinsichtlich Keywords wird hierdurch erheblich erschwert. Denn die Keyword-Daten stehen somit nur noch in Googles eigenen Diensten, dem “AdWords Search Terms Report” und dem “Search Queries Report” der Google Webmaster Tools, zur Verfügung. Unklar ist noch, ob das Web-Analyse Tool Google Analytics weiterhin Zugriff auf die AdWords Keyword-Daten aus den Webmaster Tools behält. Hier zeigt sich aber einmal mehr, wie sehr Google den Vermarktungsprozess im Internet kontrolliert und seine Monopolstellung weiter ausbaut. Eine unabhängige und neutrale Erfolgsbewertung der Keywords in Google AdWords Anzeigen durch externe Tools ist nur noch schwer möglich. Google ist somit nicht nur Verkäufer der Werbung, sondern liefert auch die einzig vollständige Erfolgskontrolle. Oder anders gesagt: da wird der Bock zum Gärtner gemacht.

Das Geschäftsmodell Google: Erst abhängig machen, dann monetarisieren

Des Weiteren wird mit diesem Schritt deutlich, dass Google sich von der unabhängigen, generischen Suchmaschine hin zu einer globalen Werbeplattform in allen Internetbereichen entwickelt. Das Geschäftsmodell von Google ist hierbei fast immer dasselbe: Am Anfang wird ein tolles Kostenlos-Angebot in den Markt gebracht und eine Monopolstellung aufgebaut, und anschließend erfolgt die Monetarisierung der gewonnen Nutzerschaft. Und eben dieses Vorgehen droht auch bei Google Analytics. Sobald der Wettbewerb im Anbieter-Bereich durch die kostenlose Verteilung des Tools minimiert ist, wird Google alle Anstrengungen unternehmen, um mit Google Analytics Geld zu verdienen. Und dann ist auch für Google Analytics Kunden Schluss mit kostenlos. Der erste Schritt hin zur Monetarisierung von Google Analytics wurde mit der Einführung des kostenpflichtigen Google Analytics Premium bereits unternommen.

Für mehr Wettbewerb und Unabhängigkeit in der Internetindustrie

Dr. Yves Stalgies, Geschäftsführer der etracker GmbH

Dr. Yves Stalgies, Geschäftsführer der etracker GmbH

Möchte man so einem Unternehmen nun also seine kompletten Web-Analyse Daten überlassen? Wir glauben nein und setzen uns daher für mehr Wettbewerb und Unabhängigkeit in der Internetindustrie ein.Ob in den Bereichen Web Analyse, Testing, Real Time Bidding oder vielen anderen – Website-Betreiber sollten heute verstärkt darauf achten, sich nicht zu stark von wenigen amerikanischen Anbietern abhängig zu machen, die dann anschließend die Bedingungen der Zusammenarbeit diktieren können und entscheiden, welche Informationen sie bekommen und welche eben nicht. etracker steht seit Gründung für unabhängige, datenschutzkonforme und leistungsstarke Lösungen und Dienstleistungen zur Web-Analyse und Optimierung von Online-Marketing-Kampagnen. Und unabhängige europäische Player, wie wir es sind, gibt es in der Internetindustrie in nahezu allen Bereichen und für alle Business Cases,” so Dr. Yves Stalgies, Geschäftsführer der etracker GmbH.

Auch zukünftig werden wir unsere Lösungen und Dienstleistungen weiter ausbauen und um neue Leistungsmerkmale ergänzen. Mit dem etracker Page Optimizer, der TV Ad-Analyse oder dem Remarketing Feed haben wir in den letzten Monaten gezeigt, dass Sie mit etracker auf einen unabhängigen, deutschen Anbieter setzen können, der Sie beim Analysen, Testen und Optimieren Ihrer Website ganzheitlich unterstützt.

 

Weiterführende Informationen zu diesem Thema:

Internetwirtschaft: “Wir haben Angst vor Google” – Welt.de

Offener Brief an Eric Schmidt: Warum wir Google fürchten – FAZ.net

Darum müssen wir diesen Suchkonzern fürchten – Welt.de

Keine Zuordnung bei den Google SEO Keywords – etracker Blog

http://de.wikipedia.org/wiki/Rockefellerprinzip

 

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